Was will ich eigentlich: Haus oder Wohnung? Miete oder Kauf? Diese Fragen sind gar nicht so leicht zu beantworten!

Fangen wir einmal bei der Frage nach der für Sie richtigen Immobilie an. An meiner Satzstellung merken Sie schon, dass „für Sie“ hier das wichtige Stichwort ist! Hinterfragen Sie an dieser Stelle ernsthaft Ihre Lebens-/Wohngewohnheiten bzw. Ihre Zukunftspläne. Auch das Alter sollte im Hinblick z.B. auf Treppen berücksichtigt werden. Fragen Sie sich, ob Sie gerne Nachbarschaft haben oder lieber für sich sind. Sind Sie viel alleine und wenn, fühlen Sie sich wohl oder sind Sie dann eher ängstlich?

Für jede Variante gibt es Pro und Kontra-Argumente. Nachfolgend führe ich Ihnen die wichtigsten auf – vielleicht hilft das ja schon bei einer Entscheidung.

Haus

Haus

Sie sind „Herr/in im Haus“ und entscheiden, was gemacht wird. Aber Sie müssen auch entscheiden und vor allem müssen Sie auch „machen“. An einem Haus gibt es ständig etwas zu tun und vom Garten will ich an dieser Stelle gar nicht reden. Sie müssen sich aktiv informieren und entweder sind Sie selbst handwerklich geschickt oder Sie müssen jemanden beauftragen und Handwerker kosten heutzutage viel Geld. Zudem müssen Handwerker „überwacht“ werden und auch eigene Arbeit kostet Zeit.

Zu bedenken ist auch, dass nicht nur für den Werterhalt monetäre und zeitliche Ressourcen aufgebraucht werden, sondern auch für die gesetzlichen Pflichten eines Hausbesitzers, z. B. Streudienst im Winter, Anliegerbeiträge, neue Wärmedämmungsverordnungen, usw.. Das hört sich alles so anstrengend an – es gibt ja auch viele positive Aspekte: neben der eigenverantwortlichen Entscheidung, dürfen Sie im und am Haus (Ausnahme Denkmalschutz) so gut wie alles (baurechtlich abgesichert) selbst verändern ohne jemanden Fragen zu müssen.

Der Abstand zu Ihren Nachbarn ist selbstgewählt so groß, dass Sie diese z. B. noch nicht einmal sehen müssen. Die Aufteilung im Haus (d.h. der Grundriss) kann ganz nach Ihren Wünschen gestaltet oder verändert werden. Sie fühlen sich im eigenen Haus vermutlich freier und unüberwachter als z.B. in einem Mehrfamilienhaus.

Ein Haus wird aber auch mit Ihnen alt, d. h. viele Treppen sind im Alter manchmal ein Handycap – das spräche wieder für einen Bungalow, welcher allerdings in Ballungszentren aus Mangel an bebaubarem Grund schwierig zu bekommen ist. Im Alter nimmt auch der Bedarf an Nahversorgung (ÖPNV, Lebensmittel, Ärzte) zu, d. h. sehr abgelegene Lagen sind dann nicht mehr so reizvoll.

Zur Lage gilt es einerseits die Familienplanung zu beachten, andererseits die Arbeitssituation. Ist z. B. bald die Nähe zu einem Kindergarten wichtig, oder brauchen Sie die Nähe zu Autobahn und Flughafen? Und ein in unserer hektischen Zeit immer wichtiger werdender Punkt: ist die Lage so leise, dass Sie dort entspannen können?

Als letzten Punkt möchte ich die Verwertbarkeit des Hauses nennen: wie lange gedenken Sie in dem Haus zu wohnen? Ist evtl. ein Umzug aus beruflichen Gründen schon absehbar oder wird das Haus bei Familiennachwuchs zu klein? Oder im umgedrehten Fall: wird das Haus bei Auszug der Kinder zu groß?

Wohnung

Eine Wohnung ist übersichtlich und zumeist mit deutlich weniger Arbeit verbunden. Aber die Entscheidungen Haus und Garten betreffend werden eben nicht alleine getroffen. Das kann eine Erleichterung sein, da Ihnen z. B. Recherchearbeiten und Überwachungsaufwand abgenommen werden. Allerdings kann es auch ärgerlich sein, wenn ein von Ihnen präferierter Entschluss in der Eigentümergemeinschaft keine Zustimmung findet. Nachbarn haben sowieso die Eigenschaft manchmal zu nerven, aber reden hilft meist. Dieses Risiko kann im Vorfeld durch ein genaues Studium der Eigentümerversammlungsprotokolle deutlich minimiert werden.

Grundsätzlich birgt eine Wohnung natürlich viele Entscheidungspunkte in welchem man sich der Eigentümergemeinschaft beugen muss, daher sollten eben diese Punkte im Vorfeld angeschaut werden. (z. B. Verwalter, Heizungsart, Versicherungsart, Renovierungsverhalten, Putzverhalten, u. v. a. m.) Viele Käufer vergessen auch, dass mit dem Kauf einer ETW auch ein Hausanteil erworben wird! Es ist anzuraten, sich das Haus genauestens anzuschauen vor einem Kauf: z. B. gibt es Sanierungsrückstände? Sind die Rücklagen hoch genug?

Diese Fragen müssen alle zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet werden, aber dann genießen Sie auch die vielen Vorteile einer Eigentumswohnung: Sie können sich auf Ihre Verwaltung in Fragen der Reparatur, Gesetzeslage und Werterhalt verlassen. Die Gefahr eines Einbruchs bei längeren Urlauben oder Arbeitsabwesenheit ist deutlich geringer. Sie fühlen sich nicht alleine und daher sicher. Sie sind durch den geringeren Aufwand und z.B. einen Aufzug auch im Alter gut untergebracht.

Miete vs. Kauf

Miete vs. Kauf

Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, wie Sie vielleicht meinen. Denn ein Kauf ist fast immer eine gefühlte Präferenz z. B. die Möglichkeit, eigene Entschlüsse zu fassen oder das Gefühl Herr seiner Immobilie zu sein. Denn wie oben angedeutet, müssen sich auch Hausbesitzer vielen Zwängen beugen. Wertfrei durchrechnet, sind die Kosten einer Mietwohnung eigentlich gar nicht so hoch, verglichen mit dem Geld-, Zeit-, und Arbeitsaufwand, den man im eigenen Haus leistet. Aber das Gefühl „Herr im eigenen Palast“ zu sein, ist natürlich durch nichts zu ersetzen. An dieser Stelle sollte man also einmal in sich gehen und versuchen, objektiv die Einstellung zum eigenen Freiheitsdrang zu beurteilen.

Sie sehen, hier gibt es keine Patentlösung. Alle Fragen müssen gestellt, beantwortet und in ihrer Wichtigkeit von Ihnen bewertet werden. Ein guter Makler stellt die richtigen Fragen und wird versuchen, zusammen mit Ihnen die zu Ihnen passende Immobilie zu finden.

Eine Sache liegt mir an dieser Stelle sehr am Herzen: bitte lassen Sie nicht die Frage nach einer Vererbbarkeit in Ihre Entscheidung einfließen! So Gott will, sind Ihre Kinder über 60 Jahre alt, bevor sie etwas von Ihnen erben – in dem Alter hat man sich im Leben eingerichtet. Wo und wie auch immer, aber mit ziemlicher Sicherheit werden Ihre Kinder nicht in Ihre Immobilie ziehen und diese „nur“ verkaufen. Also dürfen Sie bei dieser Entscheidung wirklich einmal egoistisch sein!